Accordeon in Concert
Der B A S S

(von Jochen K. ehemaliger Spieler) 

J.S. Bach wies in seinem "Gründlichen Unterricht des Basses" den Studierenden an:

"Wenn nichts über den Generalbass verzeichnet ist, greift man nur Konsonanzen:
Terz, Quint und Oktav. Aber man ist nicht gezwungen, in der gleichen Lage zu bleiben."

Dies bringt schon zum Ausdruck, dass der Bassspieler oftmals einen kleinen Freiraum beim spielen besitzt; der Grund liegt darin, dass die Kunst eines guten Bassspielers nicht unbedingt im perfekten Beherrschen von schwierigen Läufen besteht, sondern vielmehr in der Kunst, einem Ensemble oder Orchester durch Rhythmus festigkeit und Konstanz den nötigen Zusammenhalt zu vermitteln.
In unserem Orchester bedeutet dies, dass derzeit zwei Bässe namens Michael und Jochen den Rest des Orchesters, das sind je nach Besetzung ca. 20 Musiker, durch entsprechende Balgtechnik, Rhythmik und gleichmäßiges Tempo zu führen haben. Leider bestehen jedoch gegenüber einem Bassspieler oftmals Vorurteile:

  • "Der hat ja die einfachste Stimme",
  • "Der spielt ja immer nur das Gleiche",
  • "Der spielt ja nur laut"

und viele andere Schlechtigkeiten mehr!

Aufmerksam werden die Mitspieler meist erst dann, wenn ein Bassspieler Fehler macht und dadurch das Stück "auseinander fällt" (was in unserem Orchester natürlich nahezu ausgeschlossen ist ...).
Einmal kam unsere Dirigentin auf die glorreiche Idee, uns Bassisten auf einen speziellen Basslehrgang zu entsenden. Zwei Tage Musikunterricht pur waren in der Bayerischen Musikakademie Marktoberdorf angesagt, und ein ganz erfahrener und ausgezeichneter Bassdozent (Erich Sokollik) triezte uns und weitere zehn "Bassspezialisten" mit Theorie und Praxis. Der Höhepunkt des Lehrgangs sollte sein, eine anspruchsvolle klassische Ouvertüre vom Blatt, d.h. ohne vorherige Übung, vorzutragen. Ausgewählt wurde "Donna Diana" von Emil Nikolaus von Reznicek.
Uns lachte das Herz im Leibe, denn mit diesem Stück verbrachten Michael und ich bereits Stunden über Stunden, da wir es schon ein Jahr vorher bei einem Konzert aufgeführt hatten und sogar auf Schallplatte aufnahmen. Der Respekt der anderen Lehrgangsteilnehmer war natürlich voll auf unserer Seite, da zu diesem Zeitpunkt niemandem bekannt war, dass wir diese Ouvertüre in- und auswendig kannten und deshalb relativ locker "vom Blatt" spielten. Glück muss man haben!

Durch diese Episode konnten auch wir beiden Bassspieler dem Orchester von Prof. Dr. Inka Stampfl über die Grenzen Münchens hinaus zu glanzvollem Ruhm und Ehre verhelfen ...!


Rücksichtnahme ist seit diesem Lehrgang nahezu ausgeschlossen. Wenn die Bassnoten ihrer Ansicht nach zu einfach sind, ergänzt sie flugs die Originalnoten durch selbstgeschriebene fingerbrecherische Läufe, die den Spielern der ersten, zweiten oder dritten Stimme sicherlich große Freude bereiten würden; den Bass jedoch stürzt diese oftmals in tiefe Verzweiflung, da er sich durch eine solch "massiven Einflussnahme" der Orchesterleitung in seiner musikalischen Freiheit stark eingeschränkt sieht. Doch was soll's, dann spielen auch wir Bassspieler die gewünschten Oktaven 'rauf und 'runter und unsere Dirigentin bringt es wohl auch noch fertig, aus einem ungezwungenen Bassspieler einen exakten Virtuosen zu machen.

Wenn wir trotzdem aus den "vorderen Orchesterreihen" vernehmen:

"Die Bässe spielen heute wieder einmal nur tief und vor allem laut",

dann sind Michael und ich darüber ganz erhaben und wir denken bei solchen Gelegenheit an einen weiteren Satz von J.S. Bach:

"Der Bass ist ein eigenes Handwerk innerhalb der Musik."

Das gibt uns dann die Kraft, über die Voruteile der sonst so netten Orchesterkollegen hinwegzusehen und frischen Mutes weiter zu musizieren!